
EFSA legt neue Stellungnahme vor
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat eine umfassende Bewertung zum Tierwohl von Mast- und Zuchtputen vorgelegt. Die Wissenschaftler benennen zentrale Risikofaktoren in Haltung, Management und Zucht und formulieren konkrete Empfehlungen.
von DGS Redaktion Quelle Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erschienen am 05.02.2026Die EFSA hat eine wissenschaftliche Stellungnahme zum Wohlergehen von Puten in der landwirtschaftlichen Haltung veröffentlicht. Bewertet wurden Mast- und Zuchtputen aller Altersstufen unter europäischen Praxisbedingungen. Grundlage der Analyse sind verfügbare wissenschaftliche Studien, Fachanhörungen sowie eigene Modellrechnungen zum Platzbedarf von Puten.
Es wurden unter anderem das Platzangebot, der Zustand der Einstreu, das Angebot an Beschäftigungsmaterial, Schadgaskonzentrationen im Stall, Lichtverhältnisse, Gruppengrößen sowie Managementmaßnahmen wie Bestandsausdünnung, Futterrestriktion und Verstümmelungen überprüft. Die EFSA ordnet diese Faktoren 19 definierten Wohlergehensfolgen zu und benennt tierbezogene Indikatoren zur Bewertung.
Platzangebot oft dürftig
Ein zentrales Ergebnis betrifft das Platzangebot. Nach Einschätzung der EFSA reicht das derzeit übliche Platzniveau nicht aus, um wesentliche Verhaltensweisen wie Bewegung, Komfortverhalten und Flügelschlagen uneingeschränkt zu ermöglichen. Auf Basis eines Verhaltensmodells leiten die Wissenschaftler Mindestflächen ab, die mit zunehmendem Lebendgewicht deutlich ansteigen. Unzureichender Platz wird zudem mit einem erhöhten Risiko für Verletzungen, Lahmheiten, Atemwegserkrankungen und Hitzestress in Verbindung gebracht.
Einstreu, Beschäftigung & Managementmaßnahmen
Auch die Einstreu wird als entscheidender Einflussfaktor bewertet. Überschreitet die Feuchtigkeit dauerhaft etwa 40 % , steigt das Risiko für Fußballenentzündungen, Hautläsionen und Atemwegsprobleme. Die EFSA hebt die Bedeutung geeigneter Einstreumaterialien, ausreichender Einstreumengen sowie eines angepassten Stallklimas hervor.
Als weiteres zentrales Element nennt die Stellungnahme das Angebot an Struktur und Beschäftigung. Erhöhte Plattformen, manipulierbare Materialien und strukturierte Stallbereiche können nach Einschätzung der EFSA Verhaltensstörungen, Verletzungen und Gruppenspannungen verringern. Sitzstangen werden für schwere Puten als weniger geeignet eingeschätzt.
Kritisch bewertet die EFSA mehrere gängige Managementpraktiken. Dazu zählen die Bestandsausdünnung in der Mast sowie die vorzeitige Entnahme von Hennen zugunsten weiter wachsender Hähne. Diese Verfahren sind nach Einschätzung der Wissenschaftler mit Phasen erhöhter Besatzdichte, zusätzlichem Stress durch Fangmaßnahmen sowie Futter- und Wasserentzug verbunden. Die EFSA empfiehlt, diese Praktiken zu beenden oder nur unter klar begrenzten Bedingungen anzuwenden.
Verstümmelungen wie Schnabel-, Zehen- oder Schnabelanhangkürzen werden als mit Schmerzen und Funktionsverlusten verbunden beschrieben. Nach Auffassung der EFSA können diese Eingriffe vermieden werden, sofern Haltung, Platzangebot, Lichtführung, Beschäftigung und Zuchtziele entsprechend angepasst sind.
Fütterung bei Zuchtputen
Für Zuchtputen thematisiert die Stellungnahme zudem die Praxis der quantitativen Futterrestriktion, insbesondere bei männlichen Tieren. Diese wird mit anhaltendem Hunger und Gruppenspannungen in Verbindung gebracht. Als Alternativen nennt die EFSA unter anderem eine Anpassung der Futterzusammensetzung sowie ein differenziertes Management nach Gewichtsklassen.
Abschließend betont die EFSA die Rolle der Zucht. Eine starke Gewichtung von Endgewicht und Brustfleischanteil gehe mit erhöhten Risiken für Lahmheiten und weitere Gesundheitsprobleme einher. Die Wissenschaftler empfehlen, funktionelle Merkmale wie Beinstellung stärker zu berücksichtigen.
Zur Kontrolle des Tierwohls auf Betriebsebene und am Schlachthof nennt die EFSA insbesondere Mortalität, Fußballenbefunde, Gefiederschäden, Verletzungen, Brustblasen und Schlachtkörperbeanstandungen als geeignete Indikatoren. Gleichzeitig weist die Behörde darauf hin, dass harmonisierte Bewertungsverfahren innerhalb der EU bislang fehlen. Die aktuelle Studie lesen Sie HIER.








