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US-Forschung: Tierwohl bei der Nottötung

Stickstoffbegasung kann Belastungen für Geflügel reduzieren

Eine alternative Methode zur Bestandsräumung soll Geflügel während der Nottötung weniger Stress aussetzen. Ergebnisse aus Praxisanwendungen und Messdaten wurden auf einer Branchenveranstaltung im Januar 2026 in Atlanta, USA vorgestellt.

von DGS Redaktion Quelle Livestock Welfare Strategies, Januar-Tagungen 2026 der United Egg Producers erschienen am 30.01.2026
Bei der Whole-House-Stickstoffbegasung wird flüssiger Stickstoff in den Stall eingeleitet, verdrängt schrittweise den Sauerstoff und führt bei Geflügel zu Bewusstlosigkeit unter sauerstoffarmen Bedingungen. © TLF/Shutterstock
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Die sogenannte Whole-House-Stickstoffbegasung kann nach Angaben von Livestock Welfare Strategies eine wirksame Methode zur Bestandsräumung sein, um Belastungen für Geflügel zu verringern. Das Verfahren basiert auf der Einleitung von flüssigem Stickstoff in den Stall, der sich beim Verdampfen stark ausdehnt und den Sauerstoffgehalt der Stallluft schrittweise senkt.

Der verdampfte, zunächst kalte Stickstoff breitet sich am Boden aus, erwärmt sich und steigt langsam auf. Dabei wird sauerstoffreiche Luft nach oben verdrängt und über Dachöffnungen abgeführt. Nach Darstellung von Jeff Hill, Präsident von Livestock Welfare Strategies, im Rahmen der Januar-Tagungen 2026 der United Egg Producers, entsteht so eine sauerstoffarme Atmosphäre, in der die Tiere bei einem Sauerstoffgehalt von etwa 8 % das Bewusstsein verlieren, bevor es zu relevanten Absenkungen der Körpertemperatur kommt.

Untersuchungen von Livestock Welfare Strategies zeigen, dass Geflügel bei rund 8 % Sauerstoff die Wahrnehmung verliert. Der Tod tritt ein, bevor der Sauerstoffgehalt unter 2 % sinkt. Diese Ergebnisse wurden laut Hill durch vorläufige Daten aus implantierten Messsystemen bestätigt, mit denen Herzfrequenz, Körpertemperatur und Lage von knapp 1.000 Tieren erfasst wurden.

Das Verfahren erfordert nach Angaben des Unternehmens eine Vorlaufzeit von rund sieben Minuten und ist nach etwa fünf Minuten abgeschlossen. Im Unterschied zu Kohlendioxid-basierten Verfahren verhalte sich das Geflügel während der Stickstoffbegasung deutlich ruhiger. Während CO2 häufig Stressreaktionen auslöse, setzten die Tiere ihre normalen Aktivitäten wie Laufen oder Scharren fort, bis der Sauerstoffgehalt das Bewusstseinsniveau unterschreite. Nach Eintritt der Bewusstlosigkeit zeigten rund ein Viertel der Tiere noch kurze reflexartige Bewegungen.

Seit 2020 wurden nach Angaben von Hill Versuche in 55 kommerziellen Betrieben durchgeführt. Dabei sei eine Erfolgsquote von 99,99 % erreicht worden. Getestet wurde das Verfahren in unterschiedlichen Haltungssystemen, darunter Broilerställe, Legehennenhaltungen mit konventionellen und ausgestalteten Käfigen, tierwohlorientierte Systeme sowie Putenbetriebe. Die Spannweite reichte von kleinen Putenhaltungen mit etwa 200 Tieren bis zu Legehennenställen mit 80.000 Tieren. Der bislang größte Versuch umfasste 130.000 Tiere.

Künftige Arbeiten sollen sich auf die weitere Optimierung der Systemtechnik konzentrieren. Parallel dazu arbeitet das Forschungsteam an Notfallprotokollen, Leitlinien zur Tötung von Geflügel sowie an wissenschaftlichen Publikationen zum Verfahren.