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Die Rote Vogelmilbe: Unterschätzter Blutsauger im Hühnerstall?

Hoher Befallsdruck, schnelle Vermehrung und lange Überlebensfähigkeit: Welche Strategien sind für eine wirksame und nachhaltige Bekämpfung der Roten Vogelmilbe entscheidend?

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Massenhaftes Auftreten der Roten Vogelmilbe: Einzeltiere sind klein und unauffällig, doch in hoher Dichte stellen sie ein erhebliches Risiko für Tiergesundheit und Leistung dar.
Massenhaftes Auftreten der Roten Vogelmilbe: Einzeltiere sind klein und unauffällig, doch in hoher Dichte stellen sie ein erhebliches Risiko für Tiergesundheit und Leistung dar.The Schippers Group
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Niemand ist davon befreit, denn über 83 % der Legehennenställe sind von der Roten Vogelmilbe befallen. Milben sind neben den Kokzidien die bedeutendsten Parasiten in der Geflügelhaltung. Ein Befall kann zu Anämie, massivem Stress, Kannibalismus und hohen wirtschaftlichen Schäden führen. Zudem können Rote Vogelmilben als Vektoren für Krankheitserreger dienen.

Wenn es den Menschen bereits juckt, ist es oft zu spät – je frühzeitiger und aktiver die Milbenbekämpfung betrieben wird, desto größer ist der Erfolg. Folgend gehen wir auf Biologie, Lebensweise, wirtschaftliche Folgen sowie Maßnahmen zur Prävention, zum Monitoring und zur nachhaltigen Bekämpfung im belegten Stall und im Leerstand ein.

Der Parasit im Verborgenen

Die Rote Vogelmilbe ist ein vampirähnliches Lebewesen wie aus einem guten Horrorfilm. Diese Milben sind nachtaktive „Blutsauger“, die erst nach der Blutmahlzeit rot werden und sich tagsüber verstecken, um nicht entdeckt zu werden. Sie leben, entgegen der weitverbreiteten Annahme, nicht auf ihrem Wirt, sondern in dessen Umfeld. Nur nachts kommen sie zum Blutsaugen heraus. Dabei bleiben sie nicht länger als 30 bis 60 Minuten auf ihrem Wirt.

Milben finden ihre Wirte durch spezifische Pheromone der Hennen, die Temperatur und die Wahrnehmung von Atemluft (CO2). Hungrig sind sie kaum sichtbar, können aber vollgesaugt bis zu 2 mm groß werden. Sie verursachen nicht nur Stress: Durch ihr verstärktes Saugen erhöht sich die Futter- und Wasseraufnahme, und die Hennen beginnen, sich zu picken. Geringere Schalenqualität, Blutflecken und eine reduzierte Eierproduktion sind die Folgen. Es kann jedoch auch zu Anämie und in schweren Fällen zu erhöhter Mortalität kommen. Zudem können sekundäre Infektionen schneller auftreten, wie beispielsweise E. coli.

Ein Weibchen kann bis zu neun Monate ohne Nahrung überleben, wenn es kühl ist, und die Eier können sogar bis zu zwei Jahre ohne Wirt überdauern, was eine enorme Herausforderung darstellt. Exponentiell wachsen kann die Milbenpopulation bei idealen Bedingungen von 20 bis 30 °C. Unter 5 °C sind sie inaktiv und können sich nicht mehr vermehren. Ein Lebenszyklus umfasst fünf Stadien (Ei, Larve, Protonymphe, Deutonymphe, Adultmilbe) und kann in nur sieben Tagen abgeschlossen sein. Die Larven haben drei Beinpaare und die ausgewachsenen Parasiten vier. Die Milben bevorzugen warme, feuchte und dunkle Ritzen, was die Bekämpfung erschwert.

Früh erkennen, konsequent handeln

Wichtig ist eine nachhaltige Bekämpfung. Während des Leerstands ist eine Reinigung mit alkalischem Schaum unerlässlich. Akarizide (neurotoxische Biozide) können hier wirkungsvoll eingesetzt werden. Sie hemmen meist den mitochondrialen Elektronentransport oder die Lipidbiosynthese. Auch Insektizide können im Leerstand gute Ergebnisse erzielen, wobei ein regelmäßiger Wechsel wichtig ist, um Resistenzen zu vermeiden. Sollten bauliche Anpassungen notwendig sein, ist es ratsam, diese gründlich umzusetzen. Im Anschluss können trocken oder feucht ausgebrachte Silikate eine wirksame Barriere bilden. Silikate sind Stäube mit abrasiver (schleifender) oder sorptiver (absorbierender) Wirkung. Sie sind für die Einrichtung und den Stall nicht schädlich, bilden jedoch eine Schutzschicht, die über einen gewissen Zeitraum wirkt.

Als Maßnahmen im belegten Stall sind sowohl Silikate als auch Akarizide anwendbar. Natürliche Feinde wie die Raubmilbe Androlis können helfen, da sie in Ritzen eindringen, die man selbst nicht erreicht. Natürliche Pflanzenextrakte können ebenfalls über Wasser oder Futter verabreicht werden und eine sehr gute Wirkung erzielen. Dabei ist darauf zu achten, dass diese Mittel frühzeitig eingesetzt werden. Hierfür ist ein konsequentes Monitoring essenziell. Mechanische Maßnahmen zur Bekämpfung von Milbennestern umfassen eine Seifen-Spiritus-Mischung, die gesprüht oder gepinselt werden kann.

Ein gutes Monitoring ist stets entscheidend. Auch eine allgemeine Hygiene hilft in jedem Fall: Wechselnde, saubere Stallbekleidung, regelmäßige Kotbandreinigung, gute Lüftung und gezielte Wärmeanwendung können die Ausbreitung verlangsamen.

Rote Vogelmilbe bekämpfen: www.schippers-ms.de