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Newcastle-Disease in Bayern

Das Virus rauscht durch

Die Newcastle-Disease war auch ein Thema auf der diesjährigen Frühjahrstagung der WPSA ein Thema. Dr. Ferdinand Schmitt vom Tiergesundheitsdienst Bayern gibt aktuelle Informationen.

von Dr. Anke Redantz Quelle Dr. Ferdinand Schmitt erschienen am 12.03.2026
Die aktuellen Fälle der Newcastle-Disease waren auch auf der WPSA-Frühjahrstagung 2026 ein Thema. Zur Situation in Bayern berichtete Dr. Ferdinand Schmitt. © Saiful52/Shutterstock
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An einem Thema, das derzeit viele Geflügelhalter in Deutschland bewegt, kam auch die Tagung des deutschen Zweigs der World‘s Poultry Science Association (WPSA) nicht vorbei: die aktuellen Ausbrüche der Newcastle Disease (ND). Dr. Ferdinand Schmitt vom Tiergesundheitsdienst Bayern e.V., Fachabteilung Geflügel, berichtete aus tierärztlicher Sicht über die in Bayern aufgetretenen Fälle. Besonders betroffen waren dort Legehennen und Masthühner.

Einbruch der Legeleistung und kathedrale Stille

Auffällig war, dass in einigen Fällen die Legeleistung schnell und massiv einbrach, manchmal von ca. 95 % auf rund 15 %. Zunächst traten leicht erhöhte Verluste auf – sie lagen bei ca. 0,3 bis 0,5 % pro Tag. Bemerkenswert war, dass die Tiere sehr ruhig, nahezu stumm waren. Dies wird oft als „kathedrale Stille“ bezeichnet. Hinzu kamen Atemwegsinfektionen wie Giemen (ein pfeifendes, trockenes Atemgeräusch), Schleim und Nasenausfluss. Zentralnervöse Störungen wurden hingegen bisher nicht beobachtet.

Braune Eier wurden heller, teilweise weiß. Grünlich gefärbter Kot trat bei Masthühnern auf, während dieses Symptom bei Legehennen zunächst nicht beobachtet wurde. Insgesamt zeigten Masthühner eine deutliche ausgeprägtere Klinik als Legehennen. Das Virus verbreitete sich rasch, es „rauschte sehr schnell durch“, wie Schmitt es bezeichnete. Die erkrankten Hühner erholten sich schnell wieder. Frühere Untersuchungen zeigten, dass genesene Tiere nur sehr selten Virus ausschieden. Dennoch müssen nach der aktuellen Rechtslage alle ND-positiven Herden getötet werden.

Wenn ND in einem Bestand nachgewiesen wird, dann umfassen die amtlichen Maßnahmen die Keulung des Bestandes sowie die Einrichtung von Sperr- und Restriktionszonen. Die Ställe müssen gereinigt und desinfiziert werden. Eine therapeutische Behandlung der Bestände ist nicht möglich.

Ausbreitung der Krankheit unter der Impfdecke möglich

Bei der Bekämpfung der ND wird mit Lebendimpfstoffen und bei Legehennen mit einer Kombination aus diesen und Totimpfstoffen gearbeitet. Legehennen müssen je nach Impfschema regelmäßig über das Trinkwasser oder per Spray nachgeimpft werden. Das genaue Impfprogramm sollte unbedingt mit dem betreuenden Tierarzt besprochen werden, da nur sie die Situation vor Ort kennen und einschätzen können. Die Impfung schützt gut vor klinischen Symptomen und vor Mortalität, nicht jedoch vor einer Infektion und vor der Ausscheidung von Viren. Das bedeutet, dass eine Ausbreitung der Erkrankung unter der Impfdecke möglich ist, wie Schmitt das beschreibt.

Die Frage, warum die Erkrankung trotz des Impfschutzes auftritt, beschäftigt die Geflügelhalter. Auch korrekt geimpfte Bestände erkranken derzeit. Schmitt weist darauf hin, dass erst mindestens zweimal, besser dreimal geimpfte Jungtiere, einen guten Schutz aufweisen. Gerade bei Masthühnern, die seiner Beschreibung wie „Babys“ sind, ist die Immunantwort noch nicht ausreichend stark. Bei Legehennen und älteren Puten dagegen schützt die Impfung vor schweren Verlusten. Auch an die exakte Durchführung der Trinkwasserimpfung erinnerte Schmitt in diesem Zusammenhang.

Biosicherheitsmaßnahmen wichtige Säule

Da der Impfschutz bei einem hohen Infektionsdruck keinen alleinigen Schutz vor Infektion geben kann, hebt Schmitt die Bedeutung weiterer Maßnahmen hervor, insbesondere der Biosicherheitsmaßnahmen. Hierbei nennt er beispielsweise die konsequente Reinigung und Desinfektion von Transportmaterial, die strenge Kontrolle des externen Personenverkehrs oder die Nutzung betriebseigener Kleidung. Darüber hinaus setzte er einen Schwerpunkt auf die Fliegenbekämpfung. Außerdem sollten Kadaver so stallfern wie möglich und gefroren aufbewahrt werden. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist, dass es sich bei diesem Paramyxovirus um ein behülltes Virus handelt, was leichter zu bekämpfen ist als ein unbehülltes Virus.

Die Eintragswege sind derzeit nicht bekannt und bieten Raum für Spekulationen. Möglicherweise wurde das Virus über Junghennen, beispielsweise aus Polen, oder über Schlachtkisten und Packmittel von polnischen Schlachthöfen eingeschleppt. Auch externe Dienstleistungstruppen und deren Ausrüstung, beispielsweise zum Fangen und Verladen von Tieren, können das Virus eingetragen haben, ebenso wie Kadaverfahrzeuge oder mechanische Vektoren wie Geräte, Futter oder Fahrzeuge und Maschinen.

Immense Bedeutung der Früherkennung

Newcastle Disease bleibt laut Schmitt eine hochrelevante Bedrohung für Geflügelbestände. Auch geimpfte Herden können weiterhin klinische Symptome entwickeln. Umso wichtiger ist es, die ersten Anzeichen, zu denen vor allem ein massiver Einbruch der Legeleistung gehört. Dieser stellt oftmals das erste Warnsignal dar. Auch Farbänderungen bei braunen Eiern oder Qualitätsmängel wie dünne Schalen und so genannte schalenlose Windeier zählen zu den Symptomen. So weist Schmitt nachdrücklich auf die immense Bedeutung der Früherkennung hin und fordert, bei Verdacht einer ND-Erkrankung sofort eine Ausschlussdiagnostik einzuleiten.